3. Schaffensphase
 

1977-1982

Die Thematisierung der angespannten politischen Lage in Deutschland in den 70er Jahren findet schließlich ihren Ausdruck in der Gemeinschaftsproduktion Deutschland im Herbst von neun Regisseuren. Inhalt ist die Entführung und Ermordung von Hanns-Martin Schleyer durch die RAF Terroristen (1977).

Im selben Jahr verfilmt er außerdem Die Ehe der Maria Braun, ein Film, für den Fassbinder mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet wird. Er war der erfolgreichste Film und bekannteste Teil der BRD-Trilogie, zu der noch die Filme Lola und Die Sehnsucht der Veronika Voss gehören. Die Ehe der Maria Braun erzählt die Geschichte einer "self-made woman" (Hanna Schygulla),

deren ökonomischer Erfolg mit der westdeutschen Entwicklung während der 50er Jahre zusammenhängt. Auf einer Ebene liegt das Geheimnis ihres Erfolges in der Weise, wie sie Männer ausbeutet - hier dreht Fassbinder die Realität (aus seinen anderen Filmen) um. Ein weiteres Prinzip, das Fassbinder hier aufzeigt ist, dass die Liebe zu ihrem Ehemann (Klaus Löwitsch) ihr nur Stärke verleiht, solange diese Liebe unerfüllt bleibt.

Das Perverse an diesen Maximen wird erst im Verlauf der Geschichte erkennbar: Als Kriegsbraut wartet sie vergeblich auf die Rückkehr ihres Mannes von der Front und obwohl sie einen GI in ihrer Nachbarschaft sehr mag, zögert sie nicht, ihn zu töten, als es darum geht, ihre (unerfüllte) Liebe zu ihrem Mann zu beweisen.

Sein "Wunschtraum", so wie er ihn selbst einmal titulierte, geht schließlich 1980 mit der Verfilmung von Alfred Döblins Roman Berlin Alexander Platz in Erfüllung. Dieser wahrgewordene Traum musste jedoch harter Kritik und einer nur mäßigen Begeisterung des Fernsehpublikums standhalten.

In seinen letzten zwei Lebensjahren widmet er sich dem Kinofilm Lili Marleen, der auf den Lebenserinnerungen der Sängerin Lale Andersen basiert und zu einem großen Erfolg wurde. Zu diesem späten Zeitpunkt verfilmt er außerdem seinen ersten Dokumentarfilm: Theater in Trance.

1982 krönt der Film Die Sehnsucht der Veronika Voss den großen Erfolg seines Lebenswerkes. Fassbinder erhält für diesen Film den Goldenen Bären. Das letzte Projekt des Rainer Werner Fassbinder ist schließlich die Verfilmung des Romans von Jean Genet "Querelle" gewesen, ein Schwulenfilm der für viel Aufsehen sorgte.

Durch eine Überdosis Alkohol und Kokain beendet das "maßlose Genie" des Neuen Deutschen Films sein Leben frühzeitig in seinem Münchener Apartment am 10. Juni 1982. Fassbinder hat in den Jahren von 1969-1982 insgesamt 40 Kino- und Fernsehfilme gedreht.

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