1. Schaffensphase
 

1961-1969/70

Wer ist dieser Rainer Werner Fassbinder, der als "agent provocateur" des Neuen Deutschen Films einen Weltruf erlangte?

Geboren wurde der Sohn eines Arztes und einer Dolmetscherin im bayerischen Bad Wörishofen, am 31. Mai 1945. Die Kindheit war für ihn alles andere als unkompliziert. Nach der Scheidung der Eltern lebt Fassbinder zunächst bei der Mutter, muss jedoch bald in ein Heim, da die Mutter schwer erkrankt.

Der Kontakt zum Vater intensiviert sich, als Fassbinder 1961, kurz vor dem Abitur, die Schule abbricht und im Kölner Hausverwaltungsbüro seines Vaters arbeitet. Das Verhältnis der beiden war jedoch stets sehr kompliziert.

Nach nur zwei Jahren in Köln geht Fassbinder nach München und nimmt am Fridl Leonhard Studio Schauspielunterricht, wo er Hanna Schygulla kennen lernt, die zum weiblichen Star seiner späteren Arbeit wird. 1966/67 dreht Fassbinder seine ersten beiden Kurzfilme (Die Stadtstreicher und Das kleine Chaos) und gründet im darauf folgenden Jahr das "action-theater", später dann "antiteater" in München.

Mit dem avantgardistischen Schauspielerkollektiv, wie auch durch seine spätere Leitung des "Theater am Turm" in Frankfurt am Main (TAT; 1974-1976) erregt Fassbinder Aufsehen. Weiterhin inszenierte er an Bühnen in Bochum, Bremen, Berlin, Hamburg und München.

Seine Theaterstücke Katzelmacher (1968), Der amerikanische Soldat (1968) und Petra von Kant (1971) hat er selbst für die Leinwand adaptiert, und das Medium Fernsehen genutzt, um seine Vorstellungen von Theater einem größeren Publikum zugänglich zu machen:

Fernsehaufzeichnungen gab es von den Stücken Das Kaffeehaus (1970) bis Frauen in New York (1977), und von seinem einzigen Dokumentarfilm Theater in Trance (1981). Alle Filme seiner frühen Schaffensperiode drehen sich um Gewalt und Entfremdung, sowohl zwischen den Menschen als auch in der Gesellschaft allgemein.

Fassbinder geht es dabei um die Alltagsthemen Arbeit, Liebe und Geld, wobei er Geschichten vom Traum vom großen Geld, von ausbeutbaren Gefühlen, von homoerotischen Männerfreundschaften und von dem Verrat der Frauen erzählt, die entweder als Huren dargestellt werden oder ihr Weg dorthin beschrieben wird, zumeist verschuldet durch das Verhalten der Männer.

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